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Tinnitus Hörsturz – was nun?

mit Tinnitus leben

Wie habe ich gelernt, trotz meines Tinnitus ein ganz normales glückliches Leben zu führen?

Es ist Montag, mein freier Tag und die Gelegenheit, Dir ein wenig über mich selbst zu erzählen. Heute möchte ich Dir schildern, wie es zu meinem Hörverlust mit sehr lautem Ohrgeräusch kam.

 

Tinnitus?

Was ist das überhaupt?

Manche Menschen beschreiben Tinnitus als ein Hochfrequenz-Pfeifen, andere erleben ihn als Sausen oder ein Geräusch, das an brutzelnde Butter erinnert. (Quelle: http://www.hear-it.org/de/)

Eigentlich ist der Tinnitus ein Phantomgeräusch, welches die Betroffenen sogar seelisch krank machen kann. Ich muss sagen, dass ich mir eines der fiesesten Ohrgeräusche ausgesucht habe. Es handelt sich um einen extrem hohen Piep-Ton. Falls Du noch Kameras aus den 70-er Jahren kennst, erinnerst Du Dich sicher an das Geräusch, welches der Blitz von sich gab, wenn er sich wieder auflud? Falls nicht, habe ich Dir hier eine Audio-Datei eingefügt. Der Ton hat eine Frequenz von 8000 Hz. Als ich ihn meinem Mann einmal demonstriert habe, kamen ihm fast die Tränen. „Diesen Ton hast Du die ganze Zeit im Kopf?“ „Ja.“

 

(Quelle: http://www.hear-it.org/de)

Fies oder? Du hast den Ton gerade eine Sekunde lang ertragen, ich aber höre ihn ständig, ohne Unterbrechung. Er ist immer da und zwar so laut, dass ich ihn auch während meiner Arbeit im Friseursalon höre. Das 8000Hz-Ding übertönt sogar den Föhn.

Wie konnte es dazu kommen?

Tinnitus, plötzlich war er da

Der Drecksack kam schleichend, zuerst hab ich ihn gar nicht bemerkt oder eher ignoriert. Oder ich hatte gar keine Zeit, auf mich selbst zu achten. Ich war in einer sehr extremen Situation. Neben meiner Selbständigkeit als Friseurin versorgte ich meine 67-jährige Mutter, die vor acht Jahren als Schwerst-Pflegefall mit Krebs im Endstadium nachhause entlassen wurde. Sie lebte mit meinem Vater im Nachbarort. Das hieß für mich, um vier Uhr aufstehen, ins Auto steigen und Mama versorgen. Mich um sie kümmern, etwas von der Mutterliebe zurück geben, die ich mein Leben lang von ihr erhielt. Ich tat es wirklich gerne und war um jeden Tag froh, den ich noch ihre Hand halten durfte.

Anschließend begann ich mit der Arbeit im Salon. Noch bevor ich selbst zu Mittag aß, fuhr ich schon wieder los. Viel zu groß war die Sorge um meine Mutter, dass es  ihr in der ausweglosen Situation an etwas fehlen könnte. Mein Vater war zudem total überfordert und tat mir ebenfalls sehr leid.

Dann kam der plötzliche Hörverlust

Warum piepst es in meinem Ohr?

Als ich bemerkte, dass ich auf meinem rechten Ohr kaum noch etwas hörte, waren bereits einige Tage nach dem ersten Auftreten des Pieps-Tons vergangen. Trotz der wenigen Freizeit machte ich mich auf zum HNO-Arzt und schilderte ihm mein Problem. Das Resultat: Wahrscheinlich akuter Hörsturz und Tinnitus! Sofort ins Krankenhaus! Ok, immer positiv denken!

 

Erste Behandlungen

Infusionen und Medikamente

Der HNO empfahl mir neben einer 10-tägigen Therapie  mit Infusionen (HÄS, ein Mittel, welches den Blutfluss begünstigen soll), Magnesium und ein Präparat mit Ginko-Extrakt. Im Krankenhaus legte man mir einen Zugang auf den Handrücken, der über die Zeit der ambulanten Therapie in meiner Vene verbleiben musste.

So fuhr ich nachhause, ich solle mich schonen. Keine Arbeit, Stress vermeiden, Ruhe! Haha, lustig! Wie geht das?

Nein, gar nicht lustig, im Gegenteil. Die Therapie bedeutete für mich im Grunde genommen noch mehr Stress. Zu meinen Pflichten kam jetzt auch noch jeden Morgen um 6:30 Uhr eine 20-km-Fahrt ins Krankenhaus dazu. Dort erhielt ich meine Infusion, fuhr auf dem Rückweg bei Mama vorbei und stand um 8 Uhr pünktlich im Salon. Die linke Hand packte ich in einen Handschuh, weil sich dort der Zugang befand.

Enttäuschung nach der Therapie

Leider hat die Therapie mir nichts gebracht. Die Odyssee ging weiter, weil ich davon gelesen hatte, dass es auch andere Ursachen für Hörverlust und Tinnitus gibt. So leicht wollte ich mich nicht geschlagen geben!

  • der Orthopäde untersucht meine Halswirbelsäule auf evtl. Blockaden
  • der Kieferchirurg passt mir eine Beißschiene wegen Zähneknirschens in der Nacht an
  • ein defekter Weisheitszahn wird entfernt
  • ein weiterer HNO ordnet ein CT der kleinen Hörknöchelchen an, um Tumore oder Schäden zu finden
  • desweiteren verordnet er mir ein Hörgerät, da der Hörverlust 70% beträgt
  • der Neurologe testet Gleichgewichtsorgan und Nervenverbindungen
  • MRT mit Kontrastmittel um den Blutfluss der Ohrvene zu überprüfen
  • progressive Muskelentspannung nach Jacobson
  • Osteopathie und Chiropraktik

Ein Antrag auf eine Therapie in einer Kölner Klinik (sie entwerfen individuelle Musikstücke, die den „Gegenton“ des Tinnitus enthalten) wurde von meiner Krankenkasse abgelehnt, weil ich noch nicht genügend Untersuchungen absolviert hätte und somit nicht austherapiert sei. Man hat mir aber einen mehrwöchigen Kur-Aufenthalt in einer Spezialklinik angeboten. Yeah! Aber als Selbständige ist das leider nicht drin, zumindest nicht jetzt.

 

Alles zwecklos

Was jetzt?

Wie Du siehst, ich habe nichts unversucht gelassen, dieses Scheiß-Ding wieder los zu werden. Was soll ich sagen?

Leck mich, Tinnitus. Du kannst mich mal. Ich lass mir von Dir doch mein Leben nicht vermiesen. Diesen Grundsatz hatte meine Mutter, die 15 Jahre lang gegen ihren Krebs gekämpft hat. Trotz vieler OPs und Chemo-Therapien hat sie nie ihre Lebenslust und ihren Humor verloren. Und sie ließ sich die Zeit die ihr noch blieb, nicht durch schlechte Gedanken madig machen.

Dagegen ist ein Tinnitus doch nur ein banales Ding, an dem ich sicherlich nicht sterbe.

Auch wenn ich seitdem zu keiner Zeit und an keinem Ort mehr die Stille genießen kann…

Trotz Hörverlust Spaß am Leben

 

Aber hey, es gibt Schlimmeres. Ablenkung tut mir gut. Die Liebe meiner Familie, Lachen, Witze machen. Das Einschlafen funktioniert mit Fernseher im Hintergrund, tagsüber höre ich Musik und arbeite. Den Hörverlust gleiche ich so gut es geht mit meinem Hörgerät aus.

Bis bald,

Eure Marion

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66 Kommentare zu "Tinnitus Hörsturz – was nun?"

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Eva
Gast

Manchmal sollte man einfach wirklich den Stecker ziehen und auf sich selbst hören..
Aber ich kenne deine Probleme, bin zwar nicht selbstständig aber sobald zB ein Pflegefall in der Familie auftritt (was leider gottes nicht planbar ist) muss man sein Leben umkrempeln und stellt sich selbst in den Hintergrund..

Meine ♡-lichsten Glückwünsche, dass du nun so gut mit deinem „Problem“ umgehen gelernt hast und viel Glück für die Zukunft!
Liebe Grüße

Sabine Gimm
Gast

Hut ab liebe Marion. Ich glaube, das ist die beste Einstellung. Einen Tinnitus habe ich auch, aber der ist nicht so laut. Das Geräusch ist ebenfalls dauerhaft. Ich ignoriere es einfach. Bei mir ging es mit Blubbern im Ohr los – ausgelöst durch dauerhaften Stress im Job vor einigen Jahren.

Die Konsequenz war ein Jobwechsel innerhalb der Firma. Bei uns ist sowas Gott sei Dank möglich. Alles Gute für Dich!

Liebe Grüße Sabine

Beauty-Focus-Eifel
Gast

Liebe Marion,
so ein Ohrgeräusch kann sehr nervig sein, fast schon schmerzhaft.
Ich denke, du bist positiv und hast ja auch gelernt damit umzugehen und nimmst dir auch DEINE Zeit.
Ich bemerke nur manchmal ein Piepsen im Ohr und hoffe, dass es nicht schlimmer wird.
Aber wie bei dir, in solchen Stress-Situatuionen, sagt der Körper irgendwann mal STOP! Egal wie, ob durch Burnout, Hörsturz oder sonstiges.
Daher ist Zeit für sich selbst so wichtig, und wir sollten sie uns nehmen.
Viel Glück und alles Gute!
Herzliche Grüße,
Annette

Impy
Gast

Hallo Marion,
das ist eine gesunde Einstellung und ich bin mächtig stolz auf Dich – wir sind zwar angeschlagen, aber nicht ausgeknockt – ich wünsche Dir von Herzen, dass Du diese positive Einstellung nicht verlierst! Danke für den Einblick in dein Leben! Bei mir ist es gerade eine Blutung im rechten Auge, die mich wieder versucht auszubremsen, aber das lasse ich wie Du nicht zu!
Eine herzliche Umarmung – liebe Grüße
Deine Impy

Yasmina
Gast

Hey liebe Marion,
Ja das bin ich wohl wirklich 😀 Essen is einfach zu gut. Kannst gespannt sein. Ne länger is sie nicht, obwohl ich das ja sonst mag, aber die fand ich auch so mega hübsch =)

Ein sehr interessanter Post, mal was anderes als das sonstige Beauty.
Ein Tinnitus is nie schön, ich hatte sowas zwar noch nie, aber ich kanns mir sehr gut vorstellen. Schön dass du es aber so siehst und dir dadurch nichts vermiesen lässt, ich wünsche dir weiterhin alles Gute.
Liebe Grüße

Yasmina
Gast

Wirklich sehr fair und nett von Catrice, war ganz überrascht, dass ich mich gar nicht bei ihnen deswegen gemeldet hatte 😀
Na das möchte ich doch hoffen. Ja das weiß ich, ab in die Sonne gehts für mich ja schon ein wenig früher wenn auch nur für ein paar Tage. An Fasching bin ich gerne daheim *lach*.
Liebe Grüße

Be-my-life
Gast

Liebe Marion,

Das Ding ist ja wirklich mega fies. Was mur etwas Angst bereitet das es mich auch bald treffen kann. Wir wissen ja alle das Stress auch ein Grund zu solchen Erkrankungen sein kann. Stress hab ich ja im Moment mehr als genug. Ich bewundere dich wie gut du damit zurecht kommst. Okay, musst du ja mehr oder weniger. Danke für dein Einblick. Sei lieb gegrüßt.

Natascha Reis
Gast

Liebe Marion!

Ich habe mir Deinen Ton „im Ohr“ angehört und bin erschrocken. Der ist mega heftig.
Umso bemerkenswerter finde ich es, dass Du so ein positiver Mensch bist, der eine einmalige Ausstrahlung hat.
Hut ab!!!

Herzliche Grüße,
Natascha

Sissy
Gast

Hallo meine Liebe!
Tinnitus ist furchtbar und gebrauchen kann man den nervigen Ton nie. Ich habe seit 2 Jahren eine andere „Art“: einen pulssynchronen Tinnitus auf dem rechten Ohr! Ihr höre quasi ständig meinen Puls im Ohr und manchmal ist so es laut, dass ich mich echt bei meinen Schülern dreimal mehr auf den Rhythmus konzentrieren muss. Machen kann man da nicht viel und ich denke immer: wenn der Puls im Ohr ist, weiß ich, dass ich noch lebe und kann immer meine Pulssrate errechnen, hat doch was Gutes 😉

Jana
Gast

Mein Liebster hatte damals direkt nach dem Abitur im gemeinsamen Urlaub einen Hörsturz, wollte aber nichts sagen, weil er mir den Urlaub nicht verderben wollte. -.- Ich drücke dir dir Daumen, dass du den Ton irgendwann nicht mehr hörst. Angeblich kann das Gehirn die Frequenz ja irgendwann lernen stumm zu schalten. Dann hörst du die Frequenz zwar nicht mehr (so ist es bei meinem Freund), aber wenigstens ist der Tinitus weg!

Liebe Grüße ♥

Tati
Gast

Huhu meine liebe Marioni,

meine Mama hat leider auch damit zu kämpfen und muss damit leben. Sie hat sich gut damit arrangiert, nur manchmal ist sie genervt und dann schlägt sich das auf ihr Laune nieder. Ich bin froh, dass du trotzdem ein so lebensfroher und lustiger Mensch bist und dieser „Arschkuh“ ordentlich Paroli bietest.

Ich drück dich, liebste Grüße von deiner Tati

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